Lärm macht krank!

Unter Lärm wird unerwünschter, unangenehmer oder schädlicher Schall verstanden, der als störendes Geräusch empfunden wird. Unsere Augen können wir schliessen, unsere Ohren nicht! Durch Lärm wird die Kommunikation gestört, werden Erholung und Entspannung beeinträchtigt sowie die Leistungsfähigkeit herabgesetzt, von Schlafstörungen und deren Folgen ganz zu schweigen. Lärmeinwirkung führt zu vermehrtem Auftreten von Bluthochdruck und Herzinfarkten. Lärmhörschäden und störende Ohrengeräusche sind zu Volkskrankheiten geworden.

Tatsache ist, dass Lärm nachts weitaus stärker wahrgenommen wird als am Tage, und somit auch gesundheitsschädigender ist. Daher gibt es auch vielerorts ein Nachtfahrverbot von 22:00 bis 05:00 Uhr, denn zu verlangen, die Fenster nachts zu schliessen, käme praktisch einer Käfighaltung gleich.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bewertet inzwischen Lärmbelastung als umweltbedingte Gesundheitsgefahr, genau so wie Luftverschmutzung oder toxische Chemikalien.

Strassenverkehrslärm

Der Verkehr auf unseren Strassen erzeugt Druckschwankungen in der Luft, den sog. Schalldruckpegel, der in der Einheit dB gemessen wird. Beispielsweise verursacht ein PKW in etwa 7 m Abstand je nach Typ 70 - 80 dB, ein LKW oder eine Autohupe 90 dB. Bereits Dauerpegel von 60 dB tags und 45 dB nachts beeinträchtigen laut WHO die Gesundheit.

Die Masseinheit dB ist jedoch keine lineare Grösse, sondern eine logarithmische (weil der Messbereich von "ganz leise" bis "ganz laut" so immens gross ist) und stimmt darum nicht mit der subjektiven Schallwahrnehmung überein. Wenn sich beispielsweise der Lärm verdoppelt, weil zwei gleiche Lärmquellen gleichzeitig zusammenkommen, dann verdoppelt sich der Lärmwert nicht, sondern er erhöht sich um den Wert 3 dB.

Der erzeugte Strassenverkehrslärm ("Emission") hängt von vielen Faktoren ab. Die wichtigsten sind: Fahrbahnoberfläche (Kopfsteinpflaster, Asphalt), Fahrgeschwindigkeit, Art der Fahrzeuge (LKW, PKW, Motorrad) und Verkehrsstärke. Für die Schallausbreitung gilt, dass sich der Lärm mit dem Abstand von der Lärmquelle verringert, aber durch schallreflektierende Objekte (Bebauung, Vegetation) auch verstärken kann. Was dann beim Strassenanlieger ankommt, ist der sog." Immissionswert".

Immissionsgrenzwerte

Um die Belastung der Bevölkerung durch Strassenverkehrslärm in Grenzen zu halten und lärmbedingte Krankheiten möglichst zu vermeiden, hat der Gesetzgeber Grenz- und Richtwerte festgelegt. Uns interessieren hier vor allem die Immissions-Grenzwerte für Strassenanlieger:

Für Strassen-Neubauten oder wesentliche -Ausbauten dürfen die Grenzwerte der 16. BImSchV nicht überschritten werden. Sie betragen in Mischgebieten:
tags 64 dB; nachts 54 dB

Für Lärmsanierungsmassnahmen an bestehenden Strassen gelten dagegen von Land zu Land unterschiedliche Werte. In Schleswig-Holstein kommt derzeit die Lärmschutzrichtlinie von 2007 zur Anwendung. Darin betragen die Grenzwerte für Mischgebiete:
tags 72 dB; nachts 62 dB
Das sind tags und nachts jeweils 8dB mehr als für Strassen-Neubauten festgelegt. Dabei ist wissenschaftlich festgelegt, dass jede Pegelerhöhung um 3dB die Gesundheitsgefährdung verdoppelt. Diese Grenzwerte sind also aus medizinischer Sicht viel zu hoch und werden daher in der Rechtsprechung nicht akzeptiert.

In der Realität werden die o.g. Grenzwerte bei weitem nicht eingehalten. Nach Angaben des Bundesumweltamtes sind etwa 50% der Gesamtbevölkerung in Deutschland Lärmpegeln oberhalb der genannten Richtwerte ausgesetzt. Die Lärmwirkungen an innerstädtischen Hauptverkehrsstrassen sind aber nicht nur ein Gesundheitsrisiko, sondern auch soziologisch und ökonomisch relevant ("Lärmghetto"). Die Strassenlärmbekämpfung ist daher auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

Lärmschutzmassnahmen

Als "aktive" Lärmschutzmassnahmen, also solche, die an der Lärmquelle Strasse/Verkehr ansetzen, kommen im Allgemeinen in Betracht: offenporige Asphaltdecken ("Flüsterasphalt"), Geschwindigkeitsbeschränkungen, Fahrverbote für bestimmte Fahrzeuggruppen (LKW >12t oder >7,5t) sowie die Reduzierung der Verkehrsstärke (Bemautung, Nachtfahrverbot). Allerdings führt eine Halbierung der Verkehrsmenge nur zu einer Reduzierung des Schalldruckpegels um 3 dB und liegt damit gerade im Bereich der Wahrnehmungsschwelle des menschlichen Ohres. Erst eine Reduzierung der Verkehrsmenge auf ein Zehntel führt zu einem Rückgang des Schalldruckpegels um 10 dB und damit zu einer Halbierung der "Lautheit".

Auch Lärmschutzwände und -wälle zählen zu den aktiven Massnahmen, sind aber im Innenstadtbereich kaum anwendbar.

Sogenannte "passive" Lärmschutzmassnahmen am Immissionsort, also Lärmschutzfenster und Schalldämmung von Gebäudewänden, sind weitaus weniger effektiv als die oben genannte aktive Lärmminderung.

Lärmberechnung des LBV nach "RLS90"

Im Mai d.J. hat die Stadt Lauenburg beim Kreis und beim Land eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der B5 beantragt, insbesondere zum Schutz von Radfahrern. Daraufhin hat der dem Verkehrsminister unterstellte Landesbetrieb Strassenbau und Verkehr in Lübeck eine sog. "schalltechnische Berechnung" durchgeführt, um zu prüfen, in welchem Umfang eine Geschwindigkeits-Reduzierung im Innenstadtbereich auch zur Verringerung der Lärmbelastung beitragen würde. Die Berechnung wurde nach dem genormten Verfahren "RLS90" auf Basis der im Juni 2009 gezählten Verkehrsmengen durchgeführt. Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammen-fassen:

- durch die Herabsenkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h ergibt sich rein rechnerisch eine Minderung des Lärmpegels um 2,6 dB. Das ist an der Grenze der Wahrnehmungsschwelle und kommt natürlich nur dann zum Tragen, wenn alle Fahrzeuge auch die 30 km/h einhalten (was erfahrungsgemäss nur bei regelmässigen Polizeikontrollen oder nach Installation von Blitzgeräten der Fall ist).

- trotz der "Herunterrechnung" der Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h werden die vom Land SH festgelegten Immissions-Richtwerte (s.o.) an mehreren Stellen der B5 immer noch um bis zu 4,5 dB überschritten!

Der Landesbetrieb selbst beschreibt das Ergebnis so: "Die ermittelten Beurteilungspegel zeigen, dass erhebliche Verkehrslärmbeeinträchtigungen vorliegen" und weiter "...dass die Richtwerte für Strassen-verkehrsrechliche Lärmschutzmassnahmen ... an vielen Gebäuden überschritten sind".

Das heisst im Klartext: die Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h allein reicht nicht aus, um die Gesetztesvorgaben zu erfüllen, vor allem nachts. Es muss mehr geschehen!

Was kann man tun?

Der Landes-Verkehrsminister hat eine Durchfahrtssperre für LKW >12 t für Lauenburgs Innenstadt angekündigt, um die "Mautflüchlinge" auf die Autobahn zu zwingen. Wir bezweifeln, dass dieses ausreicht, denn der Anteil der 12-Tonner am Gesamt-LKW-Verkehr ist nur etwa 50%, und die Abgewiesenen werden zum Grossteil die Hafenstrasse als Ausweichstrecke wählen, anstatt Umwege auf die Autobahn zu nehmen. Der Schwerlastverkehr würde also nur innerhalb Lauenburgs verlagert. Die >12t-Durchfahrtssperre kann u.E. nur Wirkung zeigen, wenn sie für das gesamte Stadtgebiet gilt, also auch für die Hafenstrasse.

Mittelfristig planen die Verkehrsminister auch eine durchgehende Bemautung der B5 von MeckPomm bis Hamburg. Dadurch würde zwar Geld in die Bundeskasse gespült, aber der Schwerlastverkehr nicht eingeschränkt, sondern nur legalisiert. Wir lehnen diese Massnahme auch deswegen ab, weil es Jahre dauern würde, bis die Mautbrücken aufgestellt sind und ein messbares Ergebnis zur Verlagerung der Verkehrsströme vorliegt.

Das BAB fordert darum eine generelle Duchfahrtssperre für LKW >7,5 t ab Ortseingang an der Landesgrenze zu MeckPomm, die nach §45 der StVO sofort verfügt werden kann, wenn die Lärmgrenzwerte überschritten werden. Damit würden B5 und Hafenstrasse wirksam vom LKW-Durchgangsverkehr entlastet und die notwendigen Transporte der heimischen Wirtschaft würden nicht behindert, weil das Industriegebiet innerhalb der Sperrgrenzen läge.

Alternativ käme auch ein generelles LKW-Nachtfahrverbot für den Durchgangsverkehr auf B5 und B209/Hafenstrasse in Betracht. Dieses würde die heimische Wirtschaft ebenfalls nicht behindern, und die Mautflüchter könnten und sollten nachts über die neue Elbquerung in Dömitz nach Süden oder über die A24 nach Norden ausweichen.

Langfristig kann sowieso nur eine Nord-östlichen Umgehung den Lauenburger Stadtbereich konsequent vom Schwerlast-Durchgangsverkehr befreien. Aber bis dahin gehen noch 20 - 30 Jahre ins Land, denn diese Massnahme ist noch nicht einmal als "vordringlich" eingestuft, obwohl die Elbbrücke sanierungsbedürftig ist und die Kanalbrücke "Horster Damm" ebenfalls wegen Baufälligkeit ersetzt werden muss.